Palolem / 5. Station

Liebe Freunde,
Das Taxi von Agonda nach Palolem braucht nur knapp 20 Minuten und der Fahrer findet unser Hostel auch sofort. "Travers - Hostel & Cafe, Bliss Circus". Es liegt in der Kurve einer staubigen Straße und sieht nicht eben einladend aus. Ein Rollgitter schließt das Gelände ab und im Hof stehen ein halbes Dutzend Motorroller, eine Tischtennisplatte und ein Softball Gestänge. Das Cafe hat rund 30 Plätze, bietet aber nichts zum Essen an, nur Wasser und Cola. Der Manager begrüßt Achim mit den Worten: Habt ihr meine WhatsApp nicht erhalten? Wir können euch nicht unterbringen,

weil wir durch herbfallende Kokosnüsse Schäden an verschiedenen Hütten haben! Die fünf Hütten, die rechts im Hof in einer Reihenbauweise stehen, sehen jedoch tatsächlich gut im Schuß aus. "Du hast doch vor zwei Tagen angefragt, wann wir kommen", erwidert Achim. Erst da bewegt sich der gute Mensch zu seinem PC hinter den Tresen. "Oh, sorry, das betrifft auch nicht euren Bungalow. Der ist fertig..." Keiner da, der uns hilft die Koffer in die Hütte zu bringen. Der Manager stellt den Ventilator und die Klimaanlage an (das beherrscht jedes Personal, in allen Anlagen Indiens) zeigt uns das angrenzente Badezimmer - und geht. " Vergesst nicht, gleich die Pässe an die Rezeption zu bringen und den Aufenthalt direkt in bar zu bezahlen," bemerkt er beim Verlassen der Hütte. "Nein, nur Cash", ist die Antwort auf Achims Frage, ob Kartenzahlung möglich ist. Der Service hier scheint perfekt. Im Badezimmer sind die Wände rundum bis auf 20/30 cm Höhe feucht und fleckig. Alles riecht muffig. Im Zimmer steht ein Kühlschrank, der aber nicht funktioniert und im Regal kann nichts gelagert werden, da die Böden schmutzig und verstaubt sind. Obenauf können nur unsere zwei Koffer deponiert werden. Wir schauen uns an und sind uns einig: So nicht! Wir rufen den Manager und versuchen ihm zu erklären, dass wir in dieser Hütte nicht bleiben werden und wir uns lieber nach einer anderen Unterkunft umsehen. "Nein, nein. Ich habe noch eine andere Hütte, da ist mehr Platz..." Er führt uns in den nächsten Verschlag, der tatsächlich ein richtiges, einigermaßen sauberes Regal zu bieten hat."Wenn mein Personal heute Abend kommt, können die den Kühlschrank aus dem Regal nehmen und nebendran stellen. Handtücher bekommt ihr natürlich auch heute Abend..." Wären wir nur unserem 1. Impuls gefolgt und hätten uns eine andere Bleibe gesucht. 
Nachdem wir einige Sachen im Regal verstaut und unsere Matratzentopper auf dem Bett aufgepustet haben, begeben wir uns auf den Weg, den Strand zu suchen. Er soll nur wenige Minuten entfernt sein. "Links, links, rechts, dann durch die Anlage durch - und ihr seid am Meer, keine 5 Minuten..." Der Weg zum Strand führt allerdings durch einige, staubige und mit Schutt verschmutzte Gassen und mündet in einer Anlage, die uns die nächsten Tage zum Frühstück und Abendessen als eine der besten Adressen auffallen soll. Und dann liegt er vor uns, der Traum unserer Sehnsüchte, wenn wir zu Hause an Goa dachten: Der Palolem Beach - bunter und voller, als 2020 erlebt und in Erinnerung behalten. Viele Anlagen haben ihr Gesicht mittlerweile völlig verändert, andere sehen aus, als wären wir gestern erst dagewesen. Wie sich tatsächlich in Gesprächen mit anderen Reiselustigen herausstellt, gibt es nur eine Anlage, die sich in den letzten Jahren kaum verändert hat und deren Besitzer noch der Gleiche geblieben ist: Das Nest. Unsere beliebteste Anlage 2020 heißt nun Coco Capana und hat mit dem ehemaligen Dreams of Palolem nichts mehr zu tun. Alle Hütten sind modernisiert und klimatisiert. Das Restaurant liegt wesendlich höher, da der Strand im Laufe der Jahre von den Wellen stark abgetragen wurde. So gehen wir die Hälfte des rund 2 km langen Strandes ab, bis wir zur "großen Straßenlampe" kommen, dem Wahrzeichen, da hier die Hauptstrasse vom Strand aus abgeht. Alles hat sich geändert, nur eines ist geblieben: Der herrliche, teilweise pudrige Sand und die Wellen, die unsere Füße umspielen. Die Temperaturen liegen, wie fast die ganzen zwei Wochen, um die 32 bis 34°C. 
An der Hauptstrasse nehmen wir ein Tuk Tuk und lassen uns zum ATM fahren. Erst beim 3. ATM haben wir Glück und können endlich Geld abheben. "Montags ist immer schlecht, da die meisten Geräte übers Wochenende geräubert, und erst nach 15 Uhr wieder gefüllt werden...", erklärt uns der Fahrer. Schließlich halten wir an einem gut sortierten Kiosk noch an und kaufen 3x5 Liter Wasser, damit wir die nicht schleppen müssen. Eine gute Entscheidung, da der Service in der Anlage mehr als schlecht ist. Weder gibt es die sonst üblichen 2 kostenlosen Flaschen Wasser pro Tag, noch Putz- oder Reinigungsservice. Frische Handtücher gibt es nur auf Anfrage und nur, wenn genügend geliefert wurden. Den vollen Abfalleimer stellen wir immer vor die Tür, bevor wir zum Strand gehen. Im seltenen Fall ist der nach unserer Rückkehr leer. Der kleine Balkon vor der Holzhütte ist mit weißen Fliesen verschönert, wurde aber vor ewigen Zeiten zum letzten Mal nass geputzt. Am Personal kann es nicht liegen, davon laufen genug unfreundliche Typen herum. In den ganzen Tagen wurden wir 1x freundlich, fröhlich und lautstark gegrüßt. Der Manager sitzt meist nur in seiner Hängeschaukel und ist mit dem Handy beschäfftigt und zeigt uns seinen Rücken. In der Zirkusschule, die sich hinter der Anlage befindet ist immer was los. Schüler und Lehrer sitzen nachmittags im nicht funktionierenden Cafe, diskutieren ihre Ergebnisse oder schauen sich im TV Darbietungen anderer Zirkusschulen an. Das wird dann immer lautstark kommentiert und stört meinen Mittagsschlaf des öfteren. Als dann in der Nachbarhütte ein indisches Paar einzieht und mitten in meiner Mittagsruhe den Fernseher auf volle Pulle dreht, nur um die lauten Stöhn- und Juchzgeräusche ihres Liebesspiels zu übertönen, platzt mir der Kragen. Da sich nur eine hauchdünne Bretterwand zwischen den zwei Zimmern befindet, höre ich jeden Ton. Ich stürme in den Hof und bitte den Manager laut und deutlich, das überlaute Geräusch des TV`s zu beenden.Ich bin dabei erstaunt, wie wenig von dem Krach außerhalb der Hütte zu hören ist. Gelangweilt geht der Manager zur Hütte, weiterhin seinen Artikel im Handy lesend und klopft ganz vorsichtig an die Tür.Nachdem sich keiner um sein Klopfen kümmert, dreht er um, setzt sich in seine Hängeschaukel - und kümmert sich um die viel wichtigeren Dinge in seinem Händy. Die Inder im Nebenzimmer haben das Schlagen der Tür und meinen Schrei auch so mitbekommen. Der TV wird abgestellt, der Orgasmus scheint auch erreicht zu sein. Bei weiteren Begegnungen schauen mich die zwei aber immer böse an. In einer Nacht war es mit Musik besonders laut - bis 1 Uhr. Als Begründung wird ein Geburtstag angeführt, der gefeiert werden musste. Als der Manager aber zwei Abende später gegen halb Zwölf mit einem seiner Angestellten im Hof anfängt Tischtennis zu spielen und jeden Schlag mit lautem Juchzen und Gegröhle zu begleiten, ist es mit meiner Beherrschung vorbei. Ich reiße die Tür auf, schreie und schimpfe in deutscher Sprache - und ernte nur fragende, ungläubige Blicke. Mit einem Schlag haue ich die Tür unserer Hütte zu. Sofort ist Ruhe. Auch der TV an der Rezeption wird abgeschaltet. Die letzten zwei Tage ist es dann sehr ruhig. Keiner traut sich mehr, laut zu sein, keiner schaut uns mehr an, geschweige denn, er grüßt uns. Als wir nach 16 Nächten ausziehen, werden wir von keinem verabschiedet. Der Manager sieht uns, mit den Koffern aus der Hütte kommen und verschwindet in die Küche. Der Hausboy kehrt weiterhin gelangweilt den Hof. Wir steigen ins Taxi - und sind froh, endlich weg zu kommen.
Ansonsten sind die Tage am Strand wie ein Märchen.
Die Abendmahlzeiten, direkt am Meer, vor uns die Wellen, die Füße im Sand - wie eine Märchenlandschaft, wenn wir in dieser Kulisse jeweile den Sonnenuntergang verfolgen können. Bei einsetzender Dunkelheit werden die Kerzen auf den Tischen angezündet. Am Strand entlang flackern dann hunderte von Kerzen und versetzen den Strand in einen unendlichen Speisesaal. Leider sind an manchen Abenden nur ein kleiner Teil der Tische belegt. Ein Lokal versucht dem nächsten die Kundschaft abspenstig zu machen. So gehen auch wir nur immer in die gleichen zwei bis drei Lokale, dessen Speisekarten wir kennen und wissen, dass es uns schmeckt. Das Personal vom Coco Cabana und Luna Lussa begrüssen uns immer wie alte Stammkunden, egal, ob wir zum Frühstück oder Abendessen kommen. Mittagessen fällt ohnedies aus, da wir immer nur etwas Obst oder Kekse essen. Schwierig wird es am Abend, wenn während des Abendessens plötzlich abertausende von fliegenden Ameisen über uns herfallen, angelockt vom Kerzenschein und den Lampen in den Lokalen. Zusammen helfen Kundschaft und Personal schnell, um ins Innere des Lokals zu kommen, wo sofort alle Lampen ausgemacht werden. Nach wenigen Minuten ist der Spuck vorbei. 
Achim entdeckt schließlich gleich um die Ecke noch einen Masseur, der ihm mit seinem Fachwissen enorm hilft, mit seinen Rückenschmerzen (wen wundert es, bei diesen Betten?) klar zu kommen. Er bedauert es sehr, nicht früher zu ihm gegangen zu sein. Die Hütte von Udjal sieht unscheinbar aus, ist aber immer ausgebucht.
Auch die Eisdiele sei kurz erwähnt. Der Verkäufer bringt mich bei unserem 1. Besuch völlig aus der Fassung, als er meinen Wunsch nach 3 Kugeln Eis ablehnt. "Nein, es gibt nur zwei Kugeln!", antwortet er. "Ich hätte aber gerne drei." So geht es einige mal hin und her, bis er die Erklärung nachschiebt, dass in seinen Eisbecher eben nur zwei Kugeln reingehen. Größere Becher zu kaufen lohnt sich nicht, da fast alle Kunden nur eine oder zwei Kugeln Eis bestellen. 
So fliegen die Tage dahin. Die täglichen Spaziergänge am Strand und die kleineren Einkäufe von Obst, mal ein Shirt, oder eine Hose, oder mal ein Paar Schuhe bringen Leben in unseren Tag. Am Ende des Strandes angekommen, gibt es täglich eine Erfrischung, bevor es die zwei Kilometer wieder zurück geht. Da wir immer im gleichen Lokal einkehren, brauchen wir ab dem 3. Tag keine Bestellung mehr aufgeben, da die Bedienung schon mit einer Flasche Wasser, einem frischen Mango Shake und einem Espresso zu unserem Tisch kommt, sobald wir das Restaurant betreten. Das ist Service !!!
Beim Check-Out am letzten Tag kommt das bestellte Taxi sehr pünktlich. Schon fünf Tage vorher haben wir das Taxi irgendwo am Strassenrand bestellt und es klappt wie immer. Schließlich will - und muss - jeder Geld verdienen. Wir kommen viel zu früh am Flughafen an. Der Sicherheitsdienst will uns zunächst nicht ins Flughafengebäude lassen, da der Flug erst in 10 Stunden geht. Da die Schlange der Flugreisenden hinter uns immer länger wird und er merkt, dass wir nicht nachgeben, winkt er uns schließlich durch. Allerdings lehnt auch der Flugschalter ab, unser Gepäck abzufertigen. So sitzen wir sechs Stunden auf unbequemen Stühlen, marschieren abwechselnd durch die Halle und essen zwischendurch einen Snack. Schließlich sollten die indischen Rupien aufgebraucht sein, da man kein Geld ausser Landes nehmen darf. 
Der Flug von Goa nach Bengaluru vergeht recht schnell, da wir tatsächlich etwas vor uns hindösen können. Der Flughafen in Bengaluru versetzt uns in Erstaunen. Ausgeschmückt wie ein Stück Urwald, mit Wasserfall und Flußlauf vermittelt er eine sehr entspannte und luxuriöse Atmosphäre. Nachdem wir alle Gänge durchgelaufen sind entdecken wir eine gemütliche Sitzlandschaft, wo sich Achim auf eines der Sofas legen und zwei Stunden dösen kann. Ich sitze gegenüber in einem bequemen Sessel und passe auf das Handgepäck auf. 
Schließlich landet unser Anschlußflug in Phuket. Leider kommt zur fast gleichen Zeit ein Flieger aus Russland mit sehr vielen Passagieren an und es stehen rund 300 andere Passagiere an den Einreiseschaltern vor uns. Nach einer knappen 3/4 Stunde sind wir durch. Die Koffer stehen bereits am Band und das Taxi, von Achim von zu Hause aus bereits gebucht, ist auch schnell gefunden. Es kann losgehen, Khao Lak erwartet uns. 
Wie grün Thailand doch im Vergleich zu Indien ist! Hier sind die Straßen sauber und herrlich ausgebaut. Unser Minivan rauscht dahin, die Klimaanlage hält eine angenehme Temperatur. Nichts staubt. Die ersten Tage in diesem tollen Land werden bestimmt eine Umstellung erfordern. Plötzlich sehen wir Wolken am Himmel, die in Goa die ganzen Wochen nicht zu sehen waren. Ja, das wird eine neue, bestimmt erfreuliche Zeit sein. Doch davon - im nächsten Blog.
Herzliche Grüße, bleibt gesund,
Eure Weltenbummler Gerd & Achim

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